Songs of the World

Материал из Wikilivres.ru
Перейти к навигацииПерейти к поиску
Songs of the World
автор Hugo von Hofmannsthal (1874-1929), пер. Alissa Firsova
Язык оригинала: немецкий. — Alissa Firsova: Three songs on poems by Hugo von Hofmannsthal


Hugo von Hofmannsthal:

1. Weltgeheimnis (1894)

Der tiefe Brunnen weiß es wohl,
Einst waren alle tief und stumm,
Und alle wußten drum.

Wie Zauberworte, nachgelallt
Und nicht begriffen in den Grund,
So geht es jetzt von Mund zu Mund.

Der tiefe Brunnen weiß es wohl;
In den gebückt, begriffs ein Mann,
Begriff es und verlor es dann.

Und redet' irr und sang ein Lied -
Auf dessen dunklen Spiegel bückt
Sich einst ein Kind und wird entrückt.

Und wächst und weiß nichts von sich selbst
Und wird ein Weib, das einer liebt
Und - wunderbar wie Liebe gibt!

Wie Liebe tiefe Kunde gibt! -
Da wird an Dinge, dumpf geahnt,
In ihren Küssen tief gemahnt...

In unsern Worten liegt es drin,
So tritt des Bettlers Fuß den Kies,
Der eines Edelsteins Verlies.

Der tiefe Brunnen weiß es wohl,
Einst aber wußten alle drum,
Nun zuckt im Kreis ein Traum herum.

2. Lied der Welt (1921)

Flieg hin, Zeit, du bist meine Magd,
Schmück mich, wenn es nächtet, schmück mich, wenn es tagt,
Flicht mir mein Haar, spiel mir um den Schuh,
Ich bin die Frau, die Magd bist du.
Heia!

Doch einmal trittst du zornig herein,
Die Sterne schießen schiefen Schein,
Der Wind durchfährt den hohen Saal,
Die Sonn geht aus, das Licht wird fahl,
Der Boden gibt einen toten Schein,
Da wirst du meine Herrin sein!
O weh!

Und ich deine Magd, schwach und verzagt,
Gott sei's geklagt!
Flieg hin, Zeit! Die Zeit ist noch weit!
Heia!

3. Was ist die Welt? (1890)

Was ist die Welt? Ein ewiges Gedicht,
Daraus der Geist der Gottheit strahlt und glüht,
Daraus der Wein der Weisheit schäumt und sprüht,
Daraus der Laut der Liebe zu uns spricht

Und jedes Menschen wechselndes Gemüth,
Ein Strahl ist's, der aus dieser Sonne bricht,
Ein Vers, der sich an tausend and're flicht,
Der unbemerkt verhallt, verlischt, verblüht.

Und doch auch eine Welt für sich allein,
Voll süß-geheimer, nie vernomm'ner Töne,
Begabt mit eig'ner, unentweihter Schöne,

Und keines Andern Nachhall, Widerschein.
Und wenn Du gar zu lesen d'rin verstündest,
Ein Buch, das Du im Leben nicht ergründest.

Translation by Alissa Firsova:

1. The secret of the world (1894)

The deep well surely knows,
Once all were deep and silent,
And everybody knew it.

Like magic words, babbled
And not grasped in the ground,
So it goes from mouth to mouth.

The deep well surely knows;
Bending over, a man understood it,
Captured it and then lost it.

And spoke madly and sang a song -
On this dark mirror stooped
Once a child and is removed.

And grows up and knows nothing about itself
And becomes a woman, that one loves
And - how wonderful how love gives!

How love deep tidings gives! -
That makes things, poorly known,
In its kisses deeply shown…

In our words it lies inside,
The way the beggar’s foot treads on the pebbles,
Overlooking the precious jewels.

The deep well surely knows,
Once though they did all know,
Now twitches in a circle a dream aflow.

2. Song of the World (1921)

Fly by, Time, you are my Maid,
Adorn me, when it’s nightfall, adorn me, at the break of day,
Weave my hair, play around my shoe,
I am the lady, the maid are you.
Heia!

But once you enter angrily,
The stars shoot shining slantingly,
The wind penetrates the tall hall,
The sun goes out, the light gets dull,
The floor gives a deathly glow,
There you become my Mistress after all!
O weh!

And I your maid, weak and forlorn,
God will mourn!
Fly by, Time! The Time is still far!
Heia!

3. What is the world? (1890)

What is the world? An eternal poem,
That out of the spirit of divinity shines and glows,
That out of the wine of wisdom foams and flows,
That out of the sound of love to us speaks

And every being’s varying soul,
A ray is, that out of this Sun breaks,
A verse, that itself to a thousand others weaves,
That unnoticed fades, extinguishes, withers.

And yet also a world of its own,
Full of sweetly-secret, never-heard sounds,
With its own, undesecrated beauty endowed,

And no other resonance, reflection.
And even if you read it till the end,
A book, that you in life cannot comprehend.

24 November 2019, St Albans